Marktbericht 2. Quartal 21: Aktien weiter gefragt

Die weltweit wichtigsten Aktienmärkte haben sich im zweiten Quartal auf ihren Rekordniveaus gehalten. Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten und in Europa ist laut Expertenmeinung ein kräftiger Konjunkturaufschwung absehbar.

Immer mehr Corona-Einschränkungen fallen, immer mehr Menschen sind gegen das Sars-CoV-2-Virus geimpft: Die Wirtschaft wechselt vom Krisen- in den Boom-Modus. In den USA hat sich der Aufschwung schon voll entfaltet – weswegen Analysten auch aufgrund enormer Staatsausgaben das stärkste relative Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten für möglich halten. Allein in 2021 beläuft sich dieses auf ein Plus von sechs Prozent. Experten sehen Deutschland, die Eurozone und den Rest der Welt auf einem ähnlichen Konjunkturpfad – ein globaler Post-Corona-Boom zeichnet sich ab. Für die Aktienmärkte bedeuteten diese Aussichten im zweiten Quartal steigende Kurse. Offen ist, wie viel dieser Wachstumserwartungen bereits in den Kursen eingepreist ist.

Teurer Transport treibt Inflation

Gebremst wurde der Aufwärtstrend sowohl durch erhöhte Bewertungen bei Aktien als auch durch einige neu aufkommende Risiken wie etwa die rasche Ausbreitung der Delta-Mutante des Corona-Virus. Hinzu treten Sorgen um die globalen Lieferketten. Im weltweit viertgrößten Containerhafen Yantian, von wo normalerweise Guter der wichtigen chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen in alle Welt verschifft werden, war nach einem Corona-Ausbruch der Betrieb über Wochen eingeschränkt und Hunderte Frachtschiffe stauten sich im Südchinesischen Meer. Neben Konsumgütern haben sie Vorprodukte für die Autofertigung geladen, wodurch die Verzögerungen auch die Just-in-Time-Produktion in anderen Ländern bedrohen.

Die Probleme der Containerlogistik, die auf die zeitweise Sperrung des Sueskanals nach einer Havarie im ersten Quartal folgten, haben die Seefrachtraten in zwölf Monaten um das Fünffache in die Höhe schießen lassen. Der teurere Transport trägt des Weiteren zur allgemeinen Preissteigerung bei. Die Inflation bleibt in der Eurozone erhöht, in den USA erreichte sie zuletzt die Marke von fünf Prozent und liegt damit deutlich oberhalb der von der Fed gesetzten Grenze. Nun diskutiert der Markt, ob und wann auch große Notenbanken wie die Fed oder die Europäische Zentralbank (EZB) ihre ultralockere Geldpolitik straffen, wie es erste Schwellenländer bereits getan haben.

Aktienmärkte bleiben auf Rekordkurs

In den USA deutete die Fed bereits Mitte Juni an, möglicherweise noch vor 2023 und damit rascher als zuvor erwartet den Leitzins anheben zu wollen. Die Anleihekäufe der Notenbank im Volumen von zurzeit monatlich rund 120 Milliarden Dollar durften schon vorher reduziert werden. Bei der EZB steht beides wohl noch nicht auf der Agenda – müssen die Frankfurter Notenbanker doch darauf achten, hochverschuldete EU-Staaten nicht durch wachsende Zinslasten in Bedrängnis zu bringen. Die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs sorgte für Abwarten am Renten- und Bewegung am Devisenmarkt.

Dem Aktienmarkt verschafften die erfreulichen Konjunkturaussichten im zweiten Quartal indes Auftrieb. So gewann der Index MSCI Germany in den Monaten April bis Juni 3,8 Prozent und bewegte sich nahe seinem Allzeithoch. Das US-Pendant MSCI USA verbuchte sogar ein Plus von 7,8 Prozent binnen dreier Monate. Der technologielastige US-Index Nasdaq Composite bot ein ähnliches Bild und legte in Dollar 7,6 Prozent zu. Im Juni markierte auch der Weltaktienindex MSCI ACWI ein Rekordhoch.

Viele Staatsanleihen rentieren weiterhin negativ

Für zehnjährige US-Staatsanleihen war das zweite Quartal geprägt von leicht sinkenden Renditen – real, also nach Abzug der Inflation, verzinsten die Papiere weiter negativ. Dies galt auch für deutsche Bundesanleihen, obwohl sich die Rendite zehnjähriger Papiere auf bis zu minus 0,1 Prozent erholte und Ende Juni bei minus 0,25 Prozent stand. Angesichts der andauernden Null- bis Negativverzinsung wichen Rentenanleger weiterhin auf Unternehmensanleihen aus. Wegen geringer Zinsaufschläge griffen viele zu riskanteren hochverzinslichen Papieren.

Der Ölpreis erreichte gemessen an der US-Sorte WTI am Quartalsende dank der besseren Weltkonjunktur 75 Dollar je Barrel (159 Liter) – und war damit so hoch wie zuletzt im Herbst 2018. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und ihre Partner rund um Russland diskutieren bereits, die seit Langem gedrosselte Produktion auszuweiten, konnten aber per Ende Juni keine Einigung darüber erzielen.

Auch andere Rohstoffe profitierten vom sich abzeichnenden Aufschwung. Gold wurde seinem Ruf als Inflationsschutz gerecht: Das Edelmetall kostete am Ende des Quartals mit knapp 1772 Dollar rund 50 Dollar mehr pro Feinunze (31,1 Gramm) als zu Quartalsbeginn. Zum Euro tendierte der Dollar etwas niedriger und notierte Ende Juni bei 1,18 Dollar je Euro. Die US-Währung ließ dabei eine Schwächephase hinter sich. Der Wechselkurs erholte sich mit Möglichkeit höherer US-Zinsen.

 Nachholeffekte beim Konsum?

„Wir sehen uns bestätigt in unserer antizyklischen Anlagestrategie und bleiben neutral positioniert“, kommentiert Marc Cavatoni, geschäftsführender Gesellschafter der nowinta Vermögensverwaltung, die Trends an den Kapitalmärkten. Dies erlaube es, bei möglichen Rücksetzern flexibel in den Aktienmarkt einzusteigen und Chancen zu nutzen. Auslöser dafür könnten laut Cavatoni zum Beispiel Probleme bei der Impfstoffherstellung sein. „Jenseits solcher Risiken bietet der Aktienmarkt nach wie vor Potenzial, angesichts des veränderten Marktumfeldes auch bei den aktuell erhöhten Bewertungen“, betont Cavatoni. Er rechnet mit einer weiteren Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung weltweit. Mut macht Cavatoni zum Beispiel die Stimmung unter deutschen Verbrauchern: „Sie ist im Juni den vierten Monat in Folge gestiegen.“ Analysten erwarteten nun im Sommer Nachholeffekte beim

Konsum. Mittel dafür seien vorhanden, denn im Lockdown hätten Verbraucher vielfach keine Möglichkeit zum Geldausgeben gehabt, so Cavatoni.

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